Lärm: Bunte Ohrstöpsel liegen auf einem Glasschälchen auf rosafarbenem Untergrund.
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Symbolbild

Schon morgens ertönt der Laubbläser, auf dem Arbeitsweg dröhnt der Verkehrslärm und abends im Restaurant ist das Stimmengewirr oft so laut, dass man das Gegenüber kaum verstehen kann. Geräusche sind Teil unseres Alltags – und manchmal auch schädlicher Lärm.

Ob wir Geräusche als unangenehmen Lärm empfinden oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So ist das Gehör – abhängig vom Alter und möglichen Vorschäden – von Mensch zu Mensch unterschiedlich empfindlich. Auch wie wir ein Geräusch einordnen, entscheidet darüber, ob es uns stört oder nicht: Den Lärm der eigenen Kinder finden Eltern möglicherweise weniger nervig als die laute Musik vom Teenager der Nachbarn.

Was ist Lärm?

Unter Lärm verstehen Fachleute unerwünschten Hörschall, der stören, beeinträchtigen und das Gehör schädigen kann. Die Lautstärke wird angegeben in Dezibel. Über 80 Dezibel wird es gefährlich.

Wie wir hören

Wir hören, weil Schallwellen aus der Umgebung in unseren Gehörgang gelangen und dort auf das sensible Trommelfell treffen. Die dünne Membran fängt an zu schwingen und versetzt dadurch die drei kleinen Gehörknochen im Mittelohr in Bewegung – Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie übertragen die Schwingungen weiter auf sogenannte Haarzellen im Innenohr, die schließlich die Signale über den Hörnerv an unser Gehirn leiten. Hier werden sie in akustische Signale übersetzt.

Die Dosis macht das Gift

Geräusche bis 30 Dezibel wie Atmen oder Blätterrascheln im Wind nehmen wir oft gar nicht wahr. Auch Geräusche zwischen 40 und 65 Dezibel sind ungefährlich und werden von den meisten Menschen als nicht störend empfunden. Dazu gehören etwa leise Musik, ein Gespräch oder ein Fernseher in Zimmerlautstärke. Was über 80 Dezibel laut ist, bezeichnen Fachleute als Lärm. Zur Einordnung: Eine Hauptverkehrsstraße ist etwa so laut oder ein lebhafter Streit. Kurzfristig kann unser Gehör Lärm überstehen. Doch werden wir längere Zeit mit 85 Dezibel oder mehr beschallt, schädigt er das Gehör. Bei etwa 120 Dezibel halten wir den Krach längerfristig kaum noch aus. Das wäre der Fall, wenn wir ungeschützt neben einem Presslufthammer stünden.

Verschiedene Lärmarten

Auf andauernde laute Geräusche reagieren viele Menschen mit Stress, Nervosität oder Konzentrationsstörungen. Auf lange Sicht kann das ernste gesundheitliche Folgen haben, etwa Schlafstörungen oder ein höheres Risiko für Herzerkrankungen. Es gibt verschiedene Arten von Lärm. Das Umweltministerium unterscheidet folgende:

Gemeint ist andauernder Lärm, der etwa durch laufende Maschinen verursacht wird.
Bei diesem Lärm steigt der Geräuschpegel sprunghaft an, fällt aber auch schnell wieder ab, etwa bei einem Flugzeugstart oder einem vorbeifahrenden Zug.
Sehr kurzer, heftiger Lärm, zu hören etwa bei Explosionen oder Schüssen.

Hörschwäche und Tinnitus

Doch auch andere Dauerbeschallung birgt gesundheitliche Risiken: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass über eine Milliarde junger Menschen weltweit durch lautes Musikhören riskieren, schlechter zu hören.

Sind die Ohren kurzzeitig durch Lärm überlastet, etwa nach einem Konzert, können Ohrgeräusche auftreten – ein sogenannter Tinnitus. Ein Warnzeichen, dass es dem Gehör zu laut war. Meist klingen die Geräusche nach ein paar Stunden von selbst wieder ab. Manchmal bleibt ein Tinnitus auch länger bestehen. Nicht nur Lärm, auch Stress oder Durchblutungsstörungen können dabei eine Rolle spielen. Dann ist eine ärztliche Beratung durch HNO-Spezialisten gefragt. In manchen Fällen ist eine Infusion mit Kortison sinnvoll. Wichtig zu wissen: Nicht immer können die beeinträchtigten Haarzellen wieder regenerieren. Deshalb ist ein guter Hörschutz wichtig.

Ginkgo bei Tinnitus

Bei plötzlichem oder dauerhaftem Tinnitus können Wirkstoffe aus Ginkgo biloba die Behandlung unterstützen. Sie sollen die Durchblutung und die Vernetzung der Nervenzellen fördern und so die Signalverarbeitung im Gehirn und den Umgang mit dem Tinnitus verbessern. Der Tinnitus wird dann mitunter leiser wahrgenommen.

Gut geschützt gegen Lärm

Viele Menschen strapazieren ihre Ohren nicht freiwillig, sondern haben einen lauten Arbeitsalltag. In der Industrie, auf Baustellen oder an Schulen ist Lärm an der Tagesordnung. Wer in einem lauten Umfeld arbeitet, sollte besonders darauf achten, einen Gehörschutz zu verwenden. Es gibt unterschiedliche Methoden, um Lärm zu dämpfen.

Viele kennen die umgangssprachlich „Micky Mäuse“ genannten Ohrschützer. Sie schirmen die Ohrmuschel sicher ab. Eine andere Möglichkeit ist ein In-Ear-Hörschutz, der beim Hörgeräteakustiker individuell angepasst wird.

Für viele reichen jedoch klassische Ohrstöpsel. Etwa wenn eine Baustelle vor der Haustür die Konzentration stört oder der Bettnachbar nachts schnarcht. Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Formen und aus verschiedenen Materialien. Sie bestehen beispielsweise aus weichem Schaumstoff, Silikon oder Wachs. Dank verschiedener Formen und Größen gibt es für alle den passenden Lärmschutz, zum Beispiel auch, um Musik trotz gedämpfter Lautstärke noch optimal zu genießen.

5 Tipps für ein gesundes Gehör

  • Meiden Sie übermäßigen Lärm, wo immer möglich.
  • Gönnen Sie den Ohren Ruhe, wenn sie stark gefordert waren, etwa nach einem Konzert.
  • Wenn nötig, nutzen Sie zum Musikhören besser Noise-Cancelling-Kopfhörer als In-Ear-Modelle. Diese schirmen Umgebungsgeräusche weniger gut ab.
  • Nutzen Sie als Schlafzimmer möglichst einen ruhigen Raum.
  • Lassen Sie die Fenster bei störendem Straßenlärm möglichst geschlossen, wenn Sie sich in einem Raum aufhalten.

Bewusst hören

Studien zeigen: Verkehrslärm ist für Menschen besonders stressig. Städter sollten ihrem Gehör regelmäßig Ruhe gönnen, zum Beispiel beim Waldbaden. Genießen Sie nicht nur die Düfte, sondern lauschen Sie auch bewusst den Naturgeräuschen. Das bringt Ruhe und Entspannung.

Bildquellen

  • apo_1266724121_istock_laermschutz: iStock/Patricia Perez

Jan Henning Staggenborg,

Ihr Apotheker

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