Bei Heuschnupfen ist eine blühende Wiese tabu.
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Symbolbild

Wissen Sie, auf welche Pollen Sie allergisch reagieren? Dann können Sie schon zwei bis drei Wochen bevor sie fliegen mit Medikamenten vorbeugen. Auch wenn der Heuschnupfen schon da ist, gibt es Hilfe.

Die Augen jucken, die Nase läuft, Sie fühlen sich müde und abgeschlagen? Wer unter Heuschnupfen leidet, kennt die Symptome nur allzu gut. Leider ist es wirklich nicht leicht, den Pollen aus dem Weg zu gehen. Doch mit ein paar Tricks und der richtigen Behandlung lassen sich die Beschwerden der Allergie deutlich lindern.

Wann fliegen welche Pollen?

Wissen Sie eigentlich, auf welche Pollen Sie mit einer Allergie reagieren? Das kann der Allergologe oder Hautarzt mit einem Test herausfinden. Ein Pollenflugkalender (Kasten unten) zeigt, zu welchen Zeiten die positiv getesteten Pflanzen blühen und die Pollen in die Luft entlassen. Birkenpollen haben ihr Hoch von März bis Mai. Wer auf Gräser allergisch reagiert, muss vor allem von Mai bis August mit Beschwerden rechnen.

Bei Heuschnupfen richtig lüften

Den Pollen aus dem Weg zu gehen ist schwer. Mit diesen Tricks hält sich die Belastung in Grenzen:

  • Richtig lüften: Besser stoßlüften statt die Fenster dauerhaft auf Kipp zu stellen. In der Stadt fliegen abends mehr Pollen, auf dem Land morgens. Deshalb in der Stadt zwischen 6 und 8 Uhr lüften, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr.
  • Pollenschutzgitter anbringen: Vor allem für die Schlafzimmerfenster sind die feinen, durchsichtigen Gewebe zu empfehlen. Sie werden am Rahmen befestigt, sodass sich jederzeit lüften lässt.
  • Regelmäßig Staub wischen und saugen: Zum Putzen Staubsauger mit Hepa-Filter und Staubbindetücher verwenden.
  • Pollenfilter im Auto nutzen: Er sollte einmal jährlich gewechselt werden. Während der Fahrt die Fenster geschlossen halten.
  • Wäsche nicht im Freien trocknen.
  • Abends Duschen und Haare waschen.
  • Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln und ablegen.
  • Luftreiniger für Innenräume nutzen.
  • Sport im Freien nicht zur Zeit des stärksten Pollenflugs einplanen.

Heuschnupfen behandeln

Antiallergische Medikamente mit Cromoglicinsäure sollten bereits etwa zwei Wochen vor dem Pollenflug angewendet werden. Dann haben sie Zeit, die sogenannten Mastzellen im Körper zu stabilisieren. Diese kleinen Immunzellen, welche beim Kontakt mit Allergenen normalerweise Entzündungsbotenstoffe wie Histamin ausschütten, werden so unempfindlicher gegenüber den Pollen. Die Entzündungsreaktion, die zum Heuschnupfen führt, wird dadurch verhindert oder abgemildert. Die Mittel gibt es als Augentropfen und Nasensprays. Sie wirken sanft und sind auch für Schwangere geeignet. Wenn die Pollen dann fliegen, müssen sie regelmäßig angewendet werden.

Tabletten, Sprays, Tropfen

Antiallergische Tabletten mit den Wirkstoffen Cetirizin oder Loratadin werden einmal täglich eingenommen. Die Wirkung der Medikamente setzt nach 45 Minuten ein und hält bis zu dreieinhalb Stunden. Die modernen Präparate machen nur noch selten müde. Vor allem Loratadin wird auch für Autofahrer und Berufstätige empfohlen. Cetirizin zeigt dagegen eine stärkere Wirkung, wenn durch die Allergie auch die Haut juckt. Augentropfen oder Nasenspray mit den Wirkstoffen Azelastin, Levocabastin oder Ketotifen wirken nach etwa einer Viertelstunde und bis zu zwölf Stunden.

Keine Angst vor Kortison

Bei stärkeren Beschwerden kann ein Medikament mit Kortison sinnvoll sein. Niedrig dosiert ist es ohne ärztliches Rezept als Nasenspray erhältlich. Kortison lindert die allergischen Beschwerden und bekämpft die Entzündung in den Schleimhäuten. Allerdings setzt auch hier die volle Wirkung erst nach zwei bis drei Tagen ein. Weil es bei Heuschnupfen nur lokal angewendet wird, ist das Risiko für Nebenwirkungen gering. Um Veränderungen der Schleimhäute zu vermeiden, sollten die Kortison-Präparate maximal vier Wochen genutzt werden.

Wann zum Arzt?

Wer das Gefühl hat, dass sich ein Heuschnupfen entwickelt, sollte zum Arzt gehen. Eine frühzeitige Behandlung kann verhindern, dass sich weitere Allergien entwickeln. Auch können die Beschwerden von den oberen Atemwegen nach unten in die Lunge wandern und zu allergischem Asthma führen. Der Arztbesuch ist zudem wichtig, wenn die Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind oder Atembeschwerden bestehen.

Aus für die Pollenallergie?

Natürlich möchte man die Allergie am liebsten loswerden. Eine Hyposensibilisierung, auch Desensibilisierung genannt, kann helfen. Dabei werden Bestandteile der allergieauslösenden Pollen mehrere Monate zugeführt. So kann sich der Körper langsam daran gewöhnen. Er reagiert irgendwann nicht mehr oder nicht mehr so stark. Die Behandlung geschieht beim Arzt durch Injektion der Desensibilisierungslösung. Alternativ kann eine Therapie mit Tabletten erfolgen, die sich unter der Zunge auflösen. Diese Form verlangt allerdings eine regelmäßige Anwendung über drei bis fünf Jahre. Übrigens: Die Hyposensibilisierung ist in jedem Alter möglich.

Nicht reiben!

Auch wenn es schwer fällt – juckende Augen nicht reiben! Der Blütenstaub verteilt sich dann noch weiter. Besser die Augen vorsichtig mit einem Waschlappen sauber tupfen. Geschwollene Lider lassen sich durch kühle Kompressen beruhigen. Eine eng anliegende Sonnenbrille hilft, die Pollen von den Augen fern zu halten.


Pollenflug im Blick

Pollenflugkalender für Deutschland bei www.pollenstiftung.de

Newsletter zur täglichen Pollenbelastung: www.dwd.de

App mit persönlicher Belastungsvorhersage: www.pollenwarndienst.at/gratis-pollen-app.html

Pollentagebuch um Beschwerden zu dokumentieren und zuzuordnen: www.pollendiary.com/Phd/de/start

Jan Henning Staggenborg,

Ihr Apotheker

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